Kurz gesagt
Hidradenitis suppurativa ist die in der Fachliteratur häufig verwendete Bezeichnung für die Erkrankung, die im deutschsprachigen Raum oft Acne Inversa heißt. Die Abkürzung HS meint dasselbe Krankheitsbild.
HS ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung. Sie kann schmerzhafte Knoten, Abszesse, nässende Stellen, Tunnelgänge und Narben verursachen. Typisch sind Regionen wie Achseln, Leiste, Genital- und Perinealregion, Gesäß oder Hautfalten unter der Brust.
Die wichtigsten Punkte auf einen Blick
- HS ist nicht ansteckend und nicht durch mangelnde Hygiene verursacht.
- Die Erkrankung wird nicht durch ein einzelnes Symptom erklärt, sondern durch ein Muster.
- Dieses Muster verbindet typische Läsionen, typische Körperstellen und Wiederkehr.
- Andere Ursachen können ähnlich aussehen. Eine ärztliche Untersuchung bleibt wichtig.
Warum gibt es mehrere Namen?
Die Namen setzen unterschiedliche Akzente. “Acne Inversa” ist historisch verbreitet, kann aber in die Irre führen, weil HS nicht einfach gewöhnliche Akne an einer anderen Körperstelle ist. “Hidradenitis suppurativa” ist international etabliert, klingt für viele Betroffene aber zunächst sperrig.
Für Gespräche in der Praxis ist wichtig: Wenn in Befunden, Studien oder Patienteninformationen HS, Hidradenitis suppurativa oder Acne Inversa steht, geht es in der Regel um dasselbe Krankheitsbild.
Wie kann HS aussehen?
HS beginnt nicht immer mit dem vollständigen Bild aus Tunnelgängen und Narben. Frühe Beschwerden können wie einzelne tiefe Knoten, “Furunkel” oder wiederkehrende eingewachsene Haare wirken. Mit der Zeit kann ein Muster auffallen:
- Knoten kommen an derselben oder an mehreren typischen Stellen wieder.
- Die Läsionen sind tief, druckempfindlich oder stark schmerzhaft.
- Stellen können aufgehen und Sekret abgeben.
- Nach Entzündungen bleiben Narben, verhärtete Stränge oder Tunnelgänge zurück.
Dieses Muster ist wichtiger als ein einzelnes Foto oder ein einzelner akuter Tag. Es erklärt auch, warum eine abgeklungene Stelle beim Termin nicht bedeutet, dass die Vorgeschichte unwichtig wäre.
Welche Merkmale in die ärztliche Einordnung gehören
Die deutsche Leitlinie beschreibt die Diagnose vor allem als klinische Einordnung. Untersuchung und Anamnese bringen drei Fragen zusammen:
| Frage | Was damit gemeint ist |
|---|---|
| Welche Läsionen gibt es? | zum Beispiel entzündliche Knoten, Abszesse, Tunnelgänge oder Narben |
| Wo treten sie auf? | zum Beispiel axillär, inguinal, genital, perineal oder submammär |
| Wie verläuft es? | Wiederkehr, Persistenz und Veränderungen zwischen Schüben |
Diese Einordnung schützt in beide Richtungen. Sie hilft, HS bei einem wiederkehrenden typischen Verlauf nicht zu übersehen. Sie verhindert aber auch, dass jede schmerzhafte Stelle in einer Hautfalte automatisch HS genannt wird.
Was HS nicht ist
HS ist nicht ansteckend. Sie ist auch kein Zeichen mangelnder Hygiene. Beides zu wissen ist medizinisch und menschlich wichtig, weil falsche Schuldzuschreibungen den Weg zur Versorgung unnötig schwer machen können.
HS ist außerdem nicht dasselbe wie Acne vulgaris. Der ähnliche Name darf nicht verdecken, dass die Erkrankungen anders beschrieben und anders eingeordnet werden. Wenn eine Stelle neu, ungewöhnlich lokalisiert oder akut deutlich schlechter wird, müssen behandelnde Fachpersonen andere Ursachen mitdenken.
Warum der Begriff für die Diagnose wichtig ist
Wer den Namen kennt, kann gezielter beschreiben, was passiert: wiederkehrende Knoten, typische Körperregionen, Schmerz, Sekretion, Narben und Belastung im Alltag. Genau diese klinischen Muster helfen bei der Einordnung.
Eine kurze Verlaufsnotiz kann dabei hilfreicher sein als die Suche nach der perfekten Fachformulierung. Notieren Sie Körperstelle, Wiederkehr, Schmerz, Sekretion, Narben und Einschränkungen bei Sitzen, Gehen, Armbewegung, Schlaf oder Kleidung.
Wann Sie medizinische Hilfe suchen sollten
Wenn wiederholt schmerzhafte Knoten oder Abszesse in Achseln, Leiste, Brustfalte, Genitalbereich oder am Gesäß auftreten, lohnt sich ein dermatologisches Gespräch. Eine frühe Einordnung kann verhindern, dass viele einzelne Akutereignisse ohne gemeinsamen Zusammenhang behandelt werden.
Bei Fieber, rascher Verschlechterung, stark zunehmender Rötung oder sehr starken Schmerzen sollte die medizinische Einschätzung zeitnah erfolgen.
Häufige Fragen
Was bedeutet die Abkürzung HS?
HS steht für Hidradenitis suppurativa. In deutschsprachigen Texten wird für dasselbe Krankheitsbild häufig auch der Begriff Acne Inversa verwendet.
Ist Hidradenitis suppurativa ansteckend?
Nein. HS ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung und wird nicht durch Kontakt von Mensch zu Mensch übertragen.
Wie wird Hidradenitis suppurativa erkannt?
Die Einordnung ist vor allem klinisch. Ärztinnen und Ärzte betrachten die Art der Läsionen, typische Körperstellen und den wiederkehrenden oder chronischen Verlauf zusammen.
Quellen
- S2k-Leitlinie zur Therapie der Hidradenitis suppurativa / Acne inversa AWMF, 2024
- North American clinical management guidelines for hidradenitis suppurativa, Part I Journal of the American Academy of Dermatology, 2019
- Hidradenitis suppurativa Nature Reviews Disease Primers, 2020